Wie funktioniert Zucht überhaupt?

 

Auf jeden Fall nicht so einfach, wie man es sich vorstellen könnte...

 

  • Der Deckakt
  • Wenn du alle Punkte beachtet hast, die in diesen Richtlinien stehen, beginnt die Zucht mit dem Deckakt. Der Rüde und die Fähe wurden nach den hier beschriebenen Kriterien füreinander ausgewählt und werden nun im Heim des Rüden zusammengelassen.
    Normalerweise gibt es bei hochranzigen Rüden und Fähen keinerlei Berührungsängste, Zickereien oder Abneigungen, alles was zählt ist der Ranzgeruch des jeweils anderen. Wie gesagt: normalerweise... Es gibt immer mal wieder Fähen, die sich nicht decken lassen und Rüden, die kein Interesse an Fähen haben. Wenn die Chemie nicht stimmt, hat man Pech gehabt, muß noch ein Weilchen warten oder einen anderen Zuchtpartner für sein Tier suchen.
    Wenn aber alles klappt, sind die beiden nun für mind. 2 Stunden beschäftigt. Manche Frettchenpaare sind danach wirklich fertig miteinander und beachten sich nicht weiter, andere sind die nächsten 24 Stunden nicht mehr zu trennen...
  • Der Deckakt sieht für unsere menschliches Verständnis sehr brutal aus. Der Rüde packt die Fähe kräftig im Genick, schleppt sie herum, schleudert sie auch mal, bis sie in einem geschützten „privaten“ Bereich landen. In der Regel ist das der Schlafkasten, es kann aber auch mal ein in einer Ecke in dem Sofa sein, unter einem Tisch, im Bett...
    Der Rüde keckert während der ganzen Prozedur aufgeregt (oder besser erregt) und atmet zischend zwischen den Zähnen hindurch. Also keine Angst, der Rüde hat keinen Asthmaanfall!
    Die Fähe wird wahrscheinlich keinen Ton von sich geben. Manche Fähen fauchen (was nicht unbedingt was böses bedeuten muß), andere keckern mit oder quieken leise, aber die meisten sind einfach still. Sollte die Fähe schreien, hat sie Angst und / oder Schmerzen! Dann sollten die beiden getrennt werden. Aber Vorsicht: der Frettchenpenis hat einen Widerhaken, man darf den Rüden NIEMALS einfach von der Fähe reißen, wenn er schon in sie eingedrungen ist!! Sonst fügt man ihr mit diesem Widerhaken innere Verletzungen zu!!
  • Während des Deckens wird normalerweise weder gefressen noch getrunken.
  • Sind die beiden fertig, so sieht man es deutlich: sie lassen voneinander ab, kümmern sich endlich wieder um Futter und Wasser, putzen sich, spielen evtl. miteinander. Erst dann sollte man sie wieder trennen, wenn der Deckakt Erfolg haben soll.
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  • Die Tragzeit
  • Nun beginnt die Tragzeit der Fähe. Sie sollte ab jetzt nicht mehr mit unkastrierten Rüden zusammen sein! Weitere Deckakte können den Hormonhaushalt durcheinander bringen und eine Trächtigkeit verhindern.
  • Nach etwa einer Woche schwillt die Vulva sichtbar ab.
  • Nach etwa 3 Wochen beginnt die Fähe sichtbar dicker zu werden, außerdem kann man nun so langsam die Welpen in ihrem Bauch fühlen. Jetzt ist auch der richtige Zeitpunkt, vom TA per Ultraschall nach den Welpen schauen zu lassen.
  • Nach 5 Wochen, also etwa eine Woche vor der Geburt, beginnt die Fähe ihren Fellwechsel. Der fängt sehr plötzlich an und geht sehr schnell. Innerhalb der letzten Trächtigkeitswoche verliert die Fähe nahezu ihr ganzes Fell, aber das Nachwachsen des Sommerfells dauert lange. Zunächst bleibt ihr Fell recht kurz, vor allem am Bauch.
  • Jetzt ist der Zeitpunkt, wo die Fähe in Einzelhaltung wechseln sollte, damit sie sich in Ruhe auf's Werfen vorbereiten und konzentrieren kann.
  • Am letzten, frühestens am vorletzten Tag vor dem Werfen schießt die Milch ein. Die Brustleisten schwellen an und fühlen sich nun fest an.
  • Am 42. Tag (+/- 2 Tage) wirft die Fähe. Meistens werfen Frettchen nachts. Theoretisch macht sie das allein, trotzdem sollte man dabei sein, um bei evtl. Komplikationen helfend eingreifen zu können!
  • Außerdem muß die Fähe zum Wurftermin auf jeden Fall hochwertiges, leichtverdauliches und leicht freßbares Futter und ihr Wasser in unmittelbarerer Nähe ihres Schlafkastens stehen haben. Werfen kostet viel Energie und Flüssigkeit, und die Fähe hat keine Zeit, zwischendurch lange Futterpausen einzulegen!
  • Im Wurfkäfig darf nur EINE Schlafmöglichkeit zur Verfügung stehen, sonst besteht die Gefahr, daß die Fähe ihre Welpen in die verschiedenen Bettchen aufteilt und einzelne irgendwo vergißt! Außerdem darf im Schlaf- und Nistkasten keine gefaltete Decke liegen, sondern es sollte am besten nur ein Kissen sein, oder Stroh. Denn auch in den Falten verstecken Fähen ihre Welpen gerne, um sie später nicht mehr wiederzufinden...
    Die Schlafmöglichkeit sollte keine Hängematte sein, denn die Welpen beginnen früh, im Nest herumzuwuseln und könnten dabei herausfallen!
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  • Die Welpenaufzucht
  • Die Welpen kommen blind, taub und nahezu nackt zur Welt. Durchschnittliche Wurfgröße bei mir sind 8 Welpen. Ich hab die Erfahrung gemacht, daß meistens die ersten Würfe einer Fähe ihre größten sind. Es gibt auch das Gegenteil, ganz klar.

     frischgeborene Frettchen... Wie man sieht, kann man sie sofort anfassen, vorausgesetzt man hat saubere Hände, ist vorsichtig mit den kleinen Würmern und die Mama läßt es zu!
  • Während ihrer dritten Lebenswoche (d.h. zwischen dem 15. und dem 21. Tag) beginnen die Welpen, neben der Milch auch „feste“ Nahrung zu sich zu nehmen. Jetzt muß also drauf geachtet werden, daß man der Fähe genügend weiches, leicht zerkaubares Futter anbietet. Z.B. gehacktes Fleisch (dafür hab ich mir extra einen Mixstab gekauft, damit ich nicht ausschließlich Rinderhack geben muß, sondern jegliches Fleisch (außer Schwein natürlich) in Gehacktes verwandeln kann), Katzenwelpenfutter aus der Dose oder eingeweichtes Trockenfutter für Katzenwelpen. Die Fähe wird es in den Schlafkasten schleppen, wo sie es ihren Welpen vorlegt. Also eventuelle Vorräte nicht voreilig entfernen!

     Welpen mit 18 Tagen, Augen noch zu, aber den Fressnapf (hier gehacktes Hähnchenfleisch mit Ei) finden sie schon!
  • Sobald die Welpen Fleisch fressen, leckt die Mutterfähe ihre Exkremente nicht mehr auf. Die Welpen beginnen jetzt in’s Nest zu koten, man muß mehrmals täglich das Bettzeug wechseln. Es dauert ein paar Tage, bis sie hauptsächlich außerhalb des Bettchens ihr Geschäft verrichten.
  • Jetzt beginnen die Kleinen auch so langsam ihr Revier zu erkunden. Immerzu hungrig und mit geschlossenen Augen tapsen sie ungeschickt durch die Gegend, bis Mama sie wieder einsammelt. Sie sind jetzt schwerer zu hüten, als ein Sack Flöhe. Außerdem testen die Kleinen jetzt alles auf seine Freßbarkeit! Auch Frauchen’s / Herrchen's Finger, Zehen und was sonst noch alles für ihre kleinen Monsterzähne erreichbar ist.
  • In der 5. Woche (d.h. zwischen dem 29. und dem 35. Tag) fangen die Welpen an, ihre Augen zu öffnen. Dies geht nach und nach, erstmal ein Auge ein kleiner Spalt, dann das andere Auge usw. Manche Welpen haben beide Augen ganz offen, bevor das letzte Geschwisterchen überhaupt angefangen hat. Auch das ist normal. Dies ist die Zeit, wo sie zu spielen beginnen – miteinander, mit älteren Artgenossen und uns Menschen. Das bedeutet, daß nun auch die Phase beginnt, in der man ihnen ihre Grenzen aufweisen muß. Menschen sind nun mal nicht so beißfest, wie Frettchen, JETZT müssen sie das lernen.

     Hier sieht man sehr schön, daß das Augen öffnen gar nicht so leicht ist.
  • Wenn die Augen offen sind, also etwa in der 6. Woche, trinken die Welpen zum ersten Mal Wasser.

     Auch Wasser trinken will gelernt sein.
  • Mit etwa 8 Wochen beginnt die Entwöhnung von der Muttermilch, die Welpen stellen sich nun ganz um auf Fleisch und Wasser. Außerdem beginnen sie sich nun auch psychisch von ihrer Mama und den Geschwistern zu lösen. Man kann sie selbstverständlich als Gruppe zusammenlassen, wenn man seine Welpen behalten will, aber die Welpen kommen nun in ein Alter, wo sie nicht mehr so abhängig von der Mama sind. Außerdem läßt nun auch die Mama zu, daß sie ihre eigenen Erfahrungen machen. Bis hierhin ist sie ihnen ständig hinterhergerannt und hat sie immer wieder aus „gefährlichen“ Situationen gerettet. (auch wenn diese Gefahren in der Regel nur daraus bestehen, daß Mama außer Sichtweite gerät... )
  • Mit ca. 10 Wochen sollten die Welpen körperlich und geistig bereit sein, in ein neues Zuhause umzuziehen. Man sollte auf jeden Fall ihr Verhalten beobachten und danach handeln. Ich hatte z.B. 2003 eine kleine Fähe, die schrie um Hilfe, als sie mit 10 Wochen zu ihren neuen Kameraden in’s Gehege sollte... Also nahm ich sie noch mal mit heim und brachte sie 2 Wochen später wieder zu den neuen Besitzern. Und da hatte sie kein Problem mehr mit der neuen Umgebung ohne Mutter und Geschwister.

     Mit 8 Wochen macht das toben mit Onkels und Tanten erst richtig Spaß!

 

 

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