Zucht!?

     


Frettchen zu züchten ist kein Kinderspiel. Frettchenanfänger sollten keinesfalls sofort an Zucht denken! Zucht bedeutet viel Arbeit:

1. man muss die Zuchttiere sorgfältig auswählen! Die Fähe & der Rüde müssen gesund sein, nicht nur frei von Infektionen, sondern auch von Erbkrankheiten! Die Fähe muss beim ersten Wurf mind. 12 Monate alt sein.
2. man muss sich VOR dem Decken der Fähe schon gute Stellen für die Welpen suchen! Und zwar bis zu 16 pro Wurf.
3. während der Trächtigkeit sollte die Fähe nicht mehr mit ranzigen Rüden zusammen sein, aber sie darf auch nicht aus ihrer gewohnten Gruppe gerissen werden.
4. für die Geburt muss nun ein Einzelquartier für die Fähe zur Verfügung gestellt werden! Sie braucht Ruhe und die Welpen brauchen ihre Mutter mind. bis sie anfangen Fleisch zu fressen für sich allein. Trotzdem darf der Kontakt zur Gruppe nicht ganz abreißen!
5. die Welpen können nicht sofort Fleisch zerkauen, d.h. sie brauchen fein püriertes Hackfleisch (natürlich KEIN Schwein!) oder hochwertiges Welpenfutter. TroFu ist anfangs noch ungeeignet. Das kostet bei einem großen Wurf viel Geld. Selbst bei wenigen Welpen läppert sich das, wenn man sie bis zur 12. Woche durchfüttert.
6. sobald die Kleinen anfangen selbst zu fressen, muss ihr Kot (den sie überall fallen lassen) mehrmals täglich weggeräumt werden. Das bedeutet täglich pro Wurf ca. 2 Stunden Zeitaufwand nur für´s Saubermachen!
7. Welpen wollen tägl. intensiv beschäftigt werden. Nebenbei darf man aber seine anderen Frettchen auch nicht vernachlässigen! Das bedeutet - man braucht seinen Urlaub auf.
8. Schlussendlich muss man sich auch darüber im Klaren sein, dass Interessenten auch abspringen können und man die Welpen behalten muss.
9. Kaufverträge, Herkunftspapiere, erste Impfung inkl. Pass sollten auch bereit liegen
10. man muss seine Tiere gut genug kennen, um evtl. Krankheiten sofort zu erkennen und dazu noch einen TA haben, der soviel Ahnung hat, dass er einem in jedem Falle helfen kann.


Selbst wenn du die Ansprüche alle erfüllen kannst, musst du über die Abgabetier-Situation in deiner Umgebung bescheid wissen! Wie viele Tiere stehen hier ständig in der Zeitung und im Net, wie viele anderen Züchter gibt es, wie viele Vereine und Hilfen gibt es... Wenn es im Umkreis von 100 - 150 km Abgabetiere gibt, sollte man das Züchten sein lassen. Dies ist im Vorfeld nicht ganz einfach zu überprüfen, wenn man sich nicht schon im vorigen Frühjahr und Sommer die Anzeigen angesehen hat. Denn wo stehen schon im Winter oder am Anfang des Frühlings alle Züchter in der Zeitung?!

Außerdem geht bei der Zucht auch nicht immer unbedingt alles von alleine. Mit "die Fähe wirft und säugt die Welpen ja selbst, wo liegt da die Schwierigkeit?!" ist es nicht getan! Was ist denn z.B. wenn die Fähe Totgeburten hat; wenn die Wehen anhalten, aber keine Welpen mehr kommen; wenn ein Welpe im Geburtskanal feststeckt; wenn sie keine Milch hat; wenn sie ihr Welpen verstößt oder gar frisst; wenn sie nach der Geburt plötzlich zur bissigen Furie wird usw usw?!?!?!?!

Auch werden die Welpen nicht von allein zahm, und dass ist eine Arbeit, die viel Überwindung und Tierliebe erfordert! Denn die Kleinen versuchen (ohne bösartige Gedanken!) alles zu fressen, was nicht nach Frettchen riecht, also auch deine Finger. Das mag jetzt vielleicht lächerlich klingen - so kleine Zähnchen tun doch nicht weh! Oh doch, sie tun verdammt weh!!! Denn die Welpen, Augen noch zu, testen nicht an was das ist, was sie da vor der Nase haben, sie beißen mit ganzer Kraft zu, mit der Absicht es auch runter zu schlucken! Und dann versuch mal bei einem Tier, das in etwa dir Größe einer ausgewachsenen Farbmaus hat, das Mäulchen aufzuhebeln... Ohne dem Tier dabei Schmerzen zuzufügen oder es zu verletzen natürlich!
Zucht ist keine Sache, bei der man nur Zuschauer ist! Man muss selbst sehr viel dazu tun, um den Tieren einen glücklichen Start in´s Leben zu bereiten!

Man kann allerdings auch nicht verlangen, dass nur zuchterfahrene Leute züchten, denn wo soll die Erfahrung denn herkommen, wenn man gar nicht erst anfangen darf?! Nun ist die Frage, was der richtige Weg ist. Ich denke, es ist wichtig viele Kontakte zu Tierärzten und Züchtern zu haben, die einem jederzeit für Fragen und Hilfestellung zur Seite stehen. Man muss sich im Vorhinein so gut und umfassend informieren, wie möglich. Nicht nur aus Büchern oder Internetforen, sondern am besten mal einen Wurf bei einem Züchter miterleben, bevor man selbst daran denkt „Züchter“ zu werden. Und vor allem muss man auch erkennen können, ob man das wirklich selber will, oder ob es einem nur deshalb so schön vorkommt, weil es bei jemand anderem passiert.

Meine Zuchterfahrung:
Ich hab 1993 meinen ersten Wurf von Hexe gehabt. 1994 folgten drei Würfe (natürlich von drei Fähen!), 1995 waren es auch drei, 1996 waren es vier Würfe (eine Fähe verlor ihre Welpen und kam erneut in die Ranz, da sie gesund und kräftig war, ließ ich sie nochmal decken), 1997 und 1998 waren es wieder 2 Würfe und danach machte ich erstmal eine vierjährige Pause. Bis ich 2003 wieder eine geeignete Fähe hatte und auch das Gefühl, daß es genügend Interessenten gibt. Also hatte ich 2003 noch einen Wurf.
2004 hätte ich gerne Welpen haben wollen, aber leider waren beide gedeckten Fähen nur scheintragend (das erste Mal in all den Jahren, daß ich sowas selbst erlebt habe). Ich hab zuerst Pünktchen decken lassen und als sie nicht warf, ließ ich Falbi decken...
 Naja, es sollte wohl nicht sein. Auch 2005 gab es bei mir keine Welpen.
2006 hat Pünktchen mir aber wieder einen Wurf geschenkt, so daß ich jetzt auf insgesamt 17 Würfe zurückblicken kann.

Da häufig gefragt wird, wie so ein Deckakt, die Trächtigkeit und die Welpenaufzucht eigentlich abläuft, hab ich es hier mal zusammengestellt. Ich hab mich lange gescheut, dies in's Net zu stellen, weil ich keine "Gebrauchsanweisung zur Zucht" veröffentlichen will, aber ich hoffe, so eine Beschreibung nutzt auch anderen, als nur Möchtegern-Züchtern!

Zum Thema Inzucht und Gendefekte:
Ich möchte jetzt mal zur Inzucht was grundsätzliches klarlegen, was offenbar immernoch von vielen mißverstanden wird:
Inzucht ist NICHT der Auslöser von Gendefekten!!! Die Gene gehen nicht davon kaputt, daß verwandte Tiere (oder Menschen) sich miteinander paaren!
Das Problem bei der Inzucht liegt darin, daß innerhalb einer Familie naturgemäß ähnliche genetische Merkmale vorhanden sind - oft werden diese rezessiv vererbt und werden deshalb gar nicht bemerkt. Alle Nachkommen sind phänotypisch gesund, weil sie entweder reinerbig gesund oder mischerbig sind. Wenn aber diese mischerbigen Nachkommen nun miteinander, dem genotypisch kranken Elternteil oder anderen genotypisch kranken Verwandten verpaart werden, beträgt die Wahrscheinlichkeit 25 %, daß phänotypisch (also sichtbar) kranke Nachkommen entstehen. Bei einer Verpaarung von einem mischerbigen Tier mit einem phänotypisch kranken Tier, beträgt die Wahrscheinlichkeit für phänotypisch kranke Nachkommen 50 %.
Wenn aber in einer Familie keine Gendefekte vorliegen, werden auch die durch Inzucht entstandenen Nachkommen gesund sein.
Außerdem werden diese evtl. Gendefekte nicht nur innerhalb einer Familie (eben bei Inzucht) weitergegeben, sondern auch bei Zucht mit nicht verwandten Tieren.

Fazit: Gendefekte entstehen nicht durch Inzucht, nur fördert Inzucht deren Verbreitung!

Trotzdem, oder gerade deswegen: Ich bin absolut GEGEN Inzucht! Dies soll keine Werbung dafür sein, sondern nur eine Erklärung!!

Leider ist der genetische Code bei Frettchen noch nicht weit genug entschlüsselt ist, um sagen zu können, welches Gen konkret für welche Erkrankung verantwortlich ist.

Taubheit kann allerdings oft direkt auf die Farbe zurückgeführt werden, da es offenbar mit einem Melaninmangel zusammenhängt, der nunmal bei Pandas, Bagdern, DEWs (den weißköpfigen Fretts halt) die weiße Färbung des Fells verursacht. Dieser Melaninmangel bewirkt während der Entstehung der Welpen im Mutterleib und während ihrer ersten Lebenswochen eine Mißbildung im Mittelohr, welche dann zu dieser Schwerhörigkeit oder gar Taubheit führt. Zumindest wenn ich das richtig verstanden habe.

Woran erkenne ich als Welpenkäufer einen guten Züchter?

  • Er läßt dich alle seine Tiere sehen, inkl. der Mutterfähe und all seiner anderen Frettchen.
  • Alle seine Tiere sind gesund, abgesehen natürlich von gewissen nur schwer beeinflußbaren Krankheiten, wie altersbedingten Herzschwächen, Krebs u.ä.
  • Kranke Tiere werden medizinisch betreut und versorgt (z.B. alte, herzkranke Frettchen).
  • Er züchtet ausschließlich mit gesunden, charakterfesten Tieren, seine Zuchtfähen sind bei ihrem ersten Wurf nicht jünger als 12 Monate und bei ihrem letzten nicht älter als 4 Jahre.
  • Alle seine Tiere sind artgerecht untergebracht und bekommen artgerechtes Futter.
  • Seine Tiere sind soweit zahm und lassen sich auch von Fremden anfassen, zumindest aber kann er all seine Frettchen problemlos hochnehmen! (Natürlich gibt es auch hierbei Ausnahmen, ich hatte auch schon Frettchen, die sich nur von mir anfassen ließen...)
  • Er redet offen über alles, was die Tiere betrifft - womit er füttert, Erziehungsmethoden, Haltung usw.
  • Alle seine Tiere sind geimpft, die nicht zur Zucht verwendeten Frettchen sind kastriert.
  • Er gibt seine Welpen nur geimpft und mit Vertrag ab.
  • Er gibt seine Welpen nicht in Einzelhaltung!
  • Er nimmt die Welpen bei unlösbaren Problemen zurück. (Sollte ein Vertragspunkt sein, keine leere Versprechung!)
  • Er lädt dich ein, dein bereits vorhandenes Frettchen mit zu ihm zu bringen, um zu probieren, ob es sich überhaupt mit seinen Welpen versteht.
  • Er läßt sich gerne Löcher in den Bauch fragen und gibt seine Welpen nicht raus, ohne nicht auch mind. 5 Fragen gestellt zu haben!
  • Er verschenkt seine Welpen nicht!
  • Er verkauft seine Frettchen nicht an Minderjährige, ohne deren Eltern gesprochen zu haben.
  • Es fällt ihm schwer, seine Babys herzugeben.

Tierheim Bremen, Hemmstraße 491
28357 Bremen, Tel: 0421 - 35 11 33
Öffnungszeiten: Montag - Freitag 16°° - 18°° und Samstag 10°° - 13°° Uhr

Tierheim Bremerhaven, Wurster Straße 220
27580 Bremerhaven, Tel: 0471 - 83 257, Fax: 0471 - 98 12 676
Öffnungszeiten: Dienstag - Samstag 15°° - 17°° Uhr

 

 wie kommunizieren Frettchen?  Farben  Unterwegs!?  Was passiert wenn..?!  Zucht / Genetik  Zucht-Timeline  Ammenmärchen  Trost und Tränen  Tagebuch 2006  Tagebuch 2005  Tagebuch 2004 

 

 
Da mich der Aufbau dieser HP viel Zeit und teilweise auch große Mühe gekostet hat, möchte ich euch bitten, das Copyright zu achten und mich zu fragen, wenn ihr Bilder oder Texte verwenden wollt, die ihr hier gefunden habt! Keine Angst, ich beiße nicht.