Rainer und ich lernten uns in der Schule kennen, als ich in der 7. und Rainer in der 10. Klasse war. Ich hatte eine Musiklehrerin, die eine Schulband auf die Beine stellen wollte, ich sang im Background und Rainer's bester Freund war der Schlagzeuger. In diesem Schuljahr probten wir mindestens ein bis zwei mal wöchentlich und oft begleitete Rainer seinen Kumpel. Ganz im Ernst: Rainer konnte eine Riesennervensäge sein! Aber im Grunde verstanden sich alle, die bei diesem Projekt mitmachten, gut. Für mich, als schüchternes kleines Mädchen, war das eine Wahnsinnserfahrung. Die "großen Jungs" gingen mit mir um, als ob ich einfach dazu gehörte, und das tat ich auch, ich gehörte dazu...

Das Jahr ging viel zu schnell um und am Ende erzählte unsere Lehrerin uns, daß sie die Schule verlassen würde... Da wir sie alle wirklich schätzten und mochten, haben wir ein kleines Abschiedskonzert für gegeben, bei dem Schlagzeuger zuhause. Ich glaube, das hat sie damals wirklich gerührt. Uns hat es sehr viel bedeutet und großen Spaß gemacht!!

Danach verließ auch Rainer die Schule und wir verloren uns aus den Augen. Die Band bestand zwar mehr oder weniger weiter, aber ich hab nicht weiter gesungen. Der Altersunterschied machte sich ja nicht nur auf dem Papier bemerkbar, sondern auch darin, daß die Jungs nun ihren Musikgeschmack verwirklichen konnten, abends nach der Arbeit probten (wenn ich schon fast in's Bett mußte) und auch die Konzerte zu später Stunde passierten. Ich war einfach zu jung.

Etwa 2 Jahre später traf ich Rainer zufällig wieder. Es stellte sich raus, daß wir offenbar den selben Freundeskreis hatten und so sahen wir uns wieder öfter und hingen zusammen rum. Dann führten uns unsere Wege wieder in verschiedene Richtung von diesen Freunden weg und erneut brach der Kontakt ab.

Wieder verging ungefähr ein Jahr, bevor uns der Zufall noch mal zusammenbrachte. Wieder gemeinsame Freunde, wieder gemeinsame Partys, wieder gemeinsame Zeiten... Doch auch wieder der Abbruch des Kontakts nach einiger Zeit....

Im Dezember 1992, als ich an meinem 19. Geburtstag mit Freundinnen in einer Kneipe saß, schlug das Schicksal noch mal mit einem Scheunentor nach uns, indem es Rainer in eben diese Kneipe gehen ließ! Diesmal funkte es zwischen uns und er versprach mir, mich anzurufen. Naja, den Spruch kennen wir doch alle, oder?! "Ich ruf dich demnächst dann mal an!", und wie lange wartet man dann, bevor man drauf kommt, daß es wirklich nur ein dummer Spruch war??? Kann ich euch sagen: Man wartet 4 Tage, dann kommt der Anruf! Jedenfalls, wenn Rainer das zu einem sagt. Das Telefon klingelte und Rainer fragte, ob wir nicht zusammen ausgehen wollten... Mein Herz schlug bis an mein Kinn, so aufgeregt war ich, als ich am 23.12.1992 vor dem Spiegel stand, um mich für den Abend aufzubrezeln! Ich weiß nicht mal mehr, ob Rainer mich abholte, oder ob wir uns in der Stadt getroffen haben... Aber wir haben eine Kneipentour gemacht, bis wir im Schüttinger landeten. Es war saumäßig kalt draußen und in dieser netten Kneipe, die neben selbstgebrautem Bier auch Kleinigkeiten zu essen serviert, haben wir uns bei gerade genannten Leckereien aufgewärmt. Wir unterhielten uns über "Gott & die Welt", wir hatten so viel gemeinsam, konnten uns alles sagen, was uns durch den Kopf ging und haben geturtelt, auf Teufel komm raus... Es war wirklich eine tolle Nacht. Unser Tischnachbar drehte sich irgendwann zu uns um und raunte mir in's Ohr, daß mein Freund Glück hätte, eine so hübsche und kluge Freundin zu haben. Ich grinste in mich rein, bedankte mich für dieses Kompliment und sagte zu Rainer, daß er gerade ein Kompliment bekommen hatte, das er (noch) gar nicht verdiente, denn wir waren ja (noch) gar nicht "Freund & Freundin"...! Nachdem wir dann beide etwas müde wurden und uns in ruhiger Atmosphäre weiter unterhalten wollten, gingen wir zu mir.

Wir saßen in meinem Zimmer (ich wohnte damals noch bei meinem Eltern) und redeten über alte Zeiten, wie viel Spaß uns die Band gemacht hatte, wie wir uns immer wieder über den Weg gelaufen waren und wie es uns heute ging. Daß wir damals immer schon mal in den jeweils anderen verknallt gewesen waren, aber jedesmal war immer nur einer verliebt gewesen und der andere hatte kein Interesse gehabt. Plötzlich nahm Rainer meine Hand und fragte mich, ob wir es diesmal versuchen wollten, ob es diesmal beidseitig wäre. Wow, das war fast so romantisch, wie ein Heiratsantrag...! Und in den frühen Morgenstunden des Heiligen Abend 1992 wurden Rainer und ich ein Paar.

Das Schicksal hatte endlich sein Ziel erreicht, ich konnte es fast schon erleichtert aufatmen und sagen hören "na endlich!".

Daß es heimlich dachte "ihr habt doch nur noch so wenig Zeit", hab ich nicht gewußt......