Für meine geliebte Mutti...

 

 

ich werde dich vermissen!

Meine liebe Ma ist am 14. November 2004 an Krebs gestorben.

Meine Mama war eine lebenslustige Frau. Sie hat immer gut dafür gesorgt, daß mein Bruder Andreas und ich keine Langeweile bekamen, hatte immer Verständnis für unsere Sorgen und Ängste und lebte im Grunde nur für uns und Papa.
Mama hatte unheimlich viel Phantasie, bastelte viel mit uns und hatte immer Ideen, wie wir unser Leben noch bunter und schöner machen konnten. Wir unternahmen viel miteinander. Trotzdem wir früher nicht viel Geld hatten, hatten wir viel Spielzeug und Klamotten, fuhren in den Ferien weg und machten tolle Auslandsurlaube oder aufregende Wochenendausflüge. Mutti wußte immer, wie sie uns überraschen und uns eine Freude machen konnte, ohne ein Vermögen dafür ausgeben zu müssen.

Im Juli 2004 bemerkte Ma, daß an ihrem Brustkorb eine Geschwulst wuchs. Zunächst wurde es für ein Lipom gehalten, es wuchs aber sehr schnell und wurde bald schmerzhaft. Im August ließ sie es sich dann entfernen und einschicken. Das Labor schickte den Befund "Metastase eines Mammacarcinoms", also Brustkrebs mit Tochtergeschwulsten... Von nun an begann eine 2-monatige Odyssee, es war unglaublich, meine Ma wurde von Röntgenärzten, Ultraschallspezialisten und CT-Experten in ganz Bremen untersucht, aber weil nach Brustkrebs gesucht wurde, fand niemand etwas. Irgendwann wurde die Suche nach dem Muttertumor dann auf den ganzen Oberkörper erweitert und man fand heraus, daß ihre rechte Niere beinahe vollständig von einem Tumor zerstört war. Ein Zufallsbefund war auch der Tumor im linken Lungenflügel. Bei einer CT-gesteuerten Lungenbiopsie entdeckte man nicht nur, daß der Lungentumor keine Metastase des Nierenkarzinoms, sondern ein eigenständiger Lungenkrebs war, sondern auch, daß Mama bereits Metastasen im Kopf hatte. Da Nieren- und Lungenkrebs auch in die Knochen streuen wurde eine Scintigrafie gemacht, bei der Metastasen im Arm und in der Hüfte gefunden wurden. An beiden Stellen zog meine Ma sich im Verlauf der Behandlung Brüche der betroffenen Knochen zu und mußte zumindest am Oberschenkelhalsbruch noch operiert werden. Bei den Vorbereitungen zur OP diagnostizierten die Ärzte noch Asthma (den Husten hatten sie vorher dem Lungentumor zugeschoben), weswegen meine Ma keine Vollnarkose bekam, sondern mit einer Rückenmarksnarkose operiert wurde. Sie blieb für einige Tage nach der OP im Krankenhaus, damit die Ärzte sie auf Schmerzmittel einstellen konnten, danach wurde sie nach hause entlassen, mit den Worten "wir können eh nichts mehr für sie tun"...

Mama wollte gern nach hause, sie bekam im Krankenhaus schon Alpträume davon, daß sie dort ist! Als sie allerdings dann endlich hier war und merkte, wieviel Arbeit sie uns machte, erwähnte sie öfters, daß sie doch lieber in ein Heim wolle, weil sie sich uns nicht zumuten wollte. Sie hatte ein schlechtes Gewissen, weil die ganze Familie sich für sie aufopferte und rund um die Uhr bei ihr war. Weil wir ihr helfen mußten, wenn sie sich nur aufsetzen wollte, wenn sie auf Toilette mußte, um ihr die Haare zu kämmen, oder Wasser in ihr Glas zu schenken...

Es war schrecklich für mich und die ganze Familie, sie so leiden sehen zu müssen. Wir konnten nichts tun, als zu versuchen, sie schmerzfrei zu halten. Aber das war fast unmöglich. Wir waren immer für sie da, mehr konnten wir nicht tun.

Obwohl sie "nur" 10 Tage im Krankenhaus lag und danach auch "nur" 17 Tage zuhause war bis sie starb, kommt es mir vor, als hätten wir sie Monate lang gepflegt. Es war eine kleine Ewigkeit des Leids und der Schmerzen für uns alle.

Ich hoffe, nein ich weiß, daß es ihr jetzt besser geht! Sie wird nie mehr leiden müssen, nie mehr Schmerzen haben, sich nie mehr sorgen. Das ist mein einziger Trost... Ich vermisse sie unsagbar...

 

 

Zum Gefühlstagebuch