Auch bei Frettchen gibt es hier einige Dinge, die beachtet werden wollen:

Frettchen können bei guter Haltung, körperlicher und geistiger Forderung und artgerechter Ernährung bis zu 12 Jahre alt werden! Es geistern Geschichten von Frettchen durch die unendlichen Weiten des Internets, von 14 und sogar 17 Jahren ist da die Rede, aber selbst wenn das tatsächlich wahr sein sollte, sind das absolute Ausnahmen! Die "durchschnittliche Lebensdauer" (was für ein furchtbarer Ausdruck... ) liegt bei 6 bis 7 Jahren.
Oft werden Frettchen mit etwa 5 Jahren krank, bekommen Krebs, Herzkrankheiten, werden taub oder blind - typische Alterserscheinungen eben, die wir auch von Menschen kennen. Diese Krankheiten bedeuten aber nicht automatisch den baldigen Tod des geliebten Monsters! Mit dem richtigen Tierarzt kann auch ein herzkrankes Frett noch einige glückliche Jahre leben, Krebs kann evtl. operiert werden und an das Fehlen von Gehör und Augenlicht können Frettchen sich gewöhnen, wenn man auf sie eingeht.

 Kleiner Exkurs in die Anatomie des Frettchens 

Ranzverhalten

Bei Rüden:
die Hoden rutschen in den Hodensack, das Fell wird talgig (fettig) und strohig, sie werden unruhiger, evtl. sogar bissig, ihr Geruch ändert sich drastisch, sie beginnen ihre Mitfrettchen zu besteigen und ihr Revier zu markieren.

Bei Fähen:
die Vulva schwillt an (bis zu Kirschgröße), sie bekommt klaren Ausfluss (farbiger Ausfluss lässt auf Krankheiten schließen!), ihr Geruch ändert sich merklich, je länger die Ranz andauert, desto "aufdringlicher" wird sie gegenüber anderen Frettchen.

Wenn folgendes passiert, beginnt eine Dauerranz: sie frisst weniger, spielt weniger, verliert Haare um ihre Vulva, der Ausfluss wird dicker und / oder verändert die Farbe, ihre Schleimhäute werden blaß, sie schläft zunehmend viel & wird apathisch, sie wird evtl. schmerzempfindlich. Ich hab mich bemüht, die Symptome möglichst auch in der zeitlich richtigen Reihenfolge aufzuführen. Es müsen aber nicht alle Symptome auftreten, also wenn eines davon auf deine ranzige Fähe zutrifft, geh bitte sofort zum TA!

Analdrüsen entfernen?

NEIN!
Für dieses nein gibt es mehrere Gründe. Erstens ist es in Deutschland tierschutzrechtlich verboten, Tieren Organe (ganz oder teilweise) zu entnehmen, sofern dieses nicht aus gesundheitlichen Gründen notwendig ist oder der "Verhütung" dient. Zweitens brauchen Frettchen ihre Analdrüsen, um miteinander kommunizieren zu können. Und drittens bringt es in der Hinsicht, den frettchentypischen Körpergeruch zu vermindern oder gar ganz zu verhindern, überhaupt nichts! Das, was als Grund für diese Maßnahme immer vorgeschoben wird, ist absoluter Schwachsinn!! Die Analdrüsen werden eh nur in Schreck- oder extremen Angstsituationen entleert (und beim Kot absetzen -> Revier markieren), haben also keinerlei Wirkung auf den eigentlichen Duft des Frettchens.
Wenn du also Frettchengeruch nicht magst, dann wirst du auch entdrüste Frettchen nicht riechen mögen.

 

Vorsorgemaßnahmen

1. regelmäßige Impfungen.
Frettchen werden gegen Tollwut (wichtig! Bei ungeimpften Tieren ist der TA verpflichtet einzuschläfern, wenn der Verdacht auf eine T.-infektion besteht! Außerdem ist T. immer tödlich!!!) und Staupe (Heilungschancen liegen bei etwa 5 %, wenn überhaupt) geimpft. Wenn man weiter Hundeimpfstoff benutzt, ist da in der Regel auch Hepatitis (infektiöse Leberentzündung), Leptospirose & Parvovirose beinhaltet. Diese Krankheiten sind bis auf die Staupe auch auf den Menschen übertragbar. Da es jetzt für Frettchen zugelassene Impfstoffe auf dem Markt gibt, ist die Benutzung von Hundeimpfstoff nun illegal. 

Bei der Benutzung von Frettchenimpfstoff: Als Welpe wird das Frettchen mit frühestens 6 Wochen das erste Mal gegen Staupe geimpft. Nach 4 bis 6 Wochen wird diese Impfung wiederholt, diesmal mit Tollwut (das nennt man Grundimmunisierung oder boostern). Danach muss die Impfung alle 12 Monate wiederholt werden, um den Schutz aufrecht zu erhalten. Diese frühe Impfung macht aber nur Sinn, wenn die Welpen sehr jung von der Mutter getrennt wurden, denn solange sie Muttermilch trinken, sind sie durch die Antikörper der Mutter geschützt und die Impfung würde wirkungslos verpuffen. Werden die Welpen also mit mind. 8 Wochen von der Mutter getrennt, gilt folgendes:
Mit 10 - 12 Wochen erfolgt die Impfung gegen Staupe und Tollwut, es braucht NICHT geboostert werden, sondern es sind "nur" die Folgeimpfungen im Abstand von 12 Monaten nötig.

Bei der Benutzung von Hundeimpfstoff: Als Welpe wird das Frettchen mit frühestens 8 Wochen das erste Mal gegen alles außer Tollwut geimpft. Nach 3 bis 4 Wochen wird diese Impfung wiederholt, diesmal mit Tollwut (das nennt man Grundimmunisierung). Danach muss die Impfung alle 12 Monate wiederholt werden, um den Schutz aufrecht zu erhalten. 

 So sieht ein Impfpass von innen aus.

 

Weitere Infos...

2. Kastration.
Tiere, mit denen nicht gezüchtet wird, sollten unbedingt kastriert werden, denn Fähen können dauerranzig werden und an den Folgen sterben, Rüden werden zumeist aggressiv, stinkig (das meine ich wörtlich!) und traurig, weil sie ihren Trieb nicht ausleben dürfen.
Frettchen sollten auf keinen Fall sterilisiert werden, sondern immer kastriert! Bei einer Sterilisation werden nur die Ei- bzw. Samenleiter durchtrennt, alle hormonbildenden Organe werden im Tier belassen - die Frettchen können zwar keinen Nachwuchs mehr haben, werden aber noch immer ranzig und können dementsprechend immer noch in Dauerranz verfallen und alle anderen Nebenerscheinungen der Ranz zeigen.
Bei einer Kastration werden bei Rüden die Hoden, bei Fähen die Eierstöcke sowie die Gebärmutter komplett entfernt. So werden die Tiere nicht mehr ranzig und es wird nicht nur Nachwuchs vorgebeugt, sondern auch allen Folgekrankheiten der Ranz (Rüden: Prostataentzündungen und -krebs, Hodenkrebs; bei Fähen: Gebärmutterentzündungen, -vereiterungen und -krebs, Brustkrebs, sowie Infektionen der Blase, Scheide und Gebärmutter)
Die Kastration kann durchgeführt werden, sobald die Tiere ranzig werden. Eigentlich heißt es immer, man solle warten, bis die Tiere ausgewachsen (sprich 12 Monate alt) sind, aber viele Frettchen machen einem da einen Strich durch die Rechnung, indem sie lange vorher ranzig werden. Wenn die Frettchen mindestens 6 Monate alt sind, kann man kastrieren, wenn es sein muß.
Fähen sollten möglichst vor dem einsetzen der Ranz kastriert werden, weil sich damit das Risiko minimiert, dass sie später Brustkrebs bekommen (weil sie so noch keinen Hormonumschwung erlebt haben). Spätestens aber sollten sie mit dem einsetzen der Ranz unter's Messer, sonst droht Dauerranz, außerdem erhöht sich das OP-Risiko mit jedem Tag, den die Fähe länger ranzig bleibt.
Rüden können kastriert werden, sobald sie anfangen zu markieren und Ranzverhalten zu zeigen.

 

3. Chips.
Hier meine ich nix zu essen, sondern Computerchips, die den Tieren vom TA links am Hals unter die Haut gesetzt werden. Auf diesen Chips ist eine 15-stellige Nummer gespeichert, die man bei TASSO (oder anderen Tierregistern) unter Angabe der persönlichen Daten des Tieres & des Besitzers registrieren lässt. So ist das Tier jederzeit einwandfrei identifizierbar. Wichtig, wenn das Tier entläuft oder gestohlen wird.


Einen solchen Pass bekommt man von der
TASSO e.V. zugeschickt, wenn man sein gechipptes oder tätowiertes Tier dort registrieren lässt.

 

4. Regelmäßige Untersuchungen und Vorsorge. 
Man sollte regelmäßig Kotproben auf Parasiten untersuchen lassen & bei Bedarf Wurmkuren durchführen.
 Frettchen, gerade wenn sie außen gehalten werden, fangen sich schnell Flöhe ein. Diese sollten auf jeden Fall bekämpft werden, sehr gute Mittel sind Frontline und Stronghold. (wichtig: auf die korrekte Dosierung achten!) Diese Medikamente gibt es beim TA. Vorbeugend kann man seinen Fretts auch Knoblauch in's Futter geben, dann überlegen sich die Flöhe zweimal, ob die Frettchen wirklich der leckere Imbiss sind, den sie suchen. (ein- bis zweimal die Woche eine Prise Knoblauchpulver)
 Parasiten, die offenbar das Frettchen als Wirt auch sehr mögen, sind Ohrmilben. Wie der Name schon sagt, leben sie in den Ohren der Tiere und verursachen Juckreiz. Dieser Juckreiz kann für Frettchen zum Problem werden, denn manche befallenen Fretts kratzen so lange, bis ihre Ohrmuscheln bluten. Also müssen auch die Milben bekämpft werden.
Die schnelle, herkömmliche Methode: Der TA verschreibt ein Medikament (auch hier hilft Stronghold sehr gut und schnell), welches man in die Ohren einträufelt.
Die "Naturheil-Methode": Man nehme ein Speiseöl (z.B. Olivenöl) und reinige damit die Ohren. Zunächst je nach Bedarf zwei oder drei mal im Abstand von zwei Tagen und dann noch ein bis zwei mal im Abstand von einer Woche. Auch damit bekommt man die Milben weg, es dauert nur etwas länger, aber es ist absolut unschädlich für die Frettchen. Die freuen sich nachher sogar noch, wenn sie sich gegenseitig die Ohren ausputzen, über das leckere Öl!

 Wenn die Fretts irgendwelche Anzeichen einer Krankheit zeigen - geh lieber sofort zum TA und lass nachschauen, wenn du dir nicht sicher bist, was es ist!

 

 

Such dir einen guten TA, der Erfahrung mit Fretts hat, frag ihn aus und lass dir nix anschnacken! Nimm lieber einen etwas weiteren Weg in Kauf, als wichtige Diagnostik oder OPs von jemandem machen zu lassen, der eigentlich gar nicht weiß, was er da tut! Auf vielen HPs findet man heute schon Tierarztlisten, nach PLZ geordnet.

 

Ich gehe zu:

 

Dr. med. vet. Heide-Gisela Tinius
Erichstraße 20
28816 Stuhr - Brinkum
Tel. 0421 - 89 43 000

  Dr. med. vet. Bettina Jachens
  Trupe 11
  28865 Lilienthal
  Tel. 042 98 - 69 86 68

 

 

 

 

 

Da mich der Aufbau dieser HP viel Zeit und teilweise auch große Mühe gekostet hat, möchte ich euch bitten, das Copyright zu achten und mich zu fragen, wenn ihr Bilder oder Texte verwenden wollt, die ihr hier gefunden habt! Keine Angst, ich beiße nicht.

 

 

Das Thema Gendefekte wurde verlegt!

 

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