Wahre Frettchengeschichten

 

Merlin - *määhäh*

Im Frühjahr 1994 gingen Rainer und ich mit unserem Merlin spazieren. Wir wohnen ja direkt an einem Park, an den auch einige Viehweiden grenzen. Auf einer dieser Weiden liefen Schafe rum und Merlin zog uns bis an den Zaun... Wir dachten "Was soll schon passieren?! Schafe sind friedlich, die tun Merlin schon nix.", und ließen ihn dort ausgiebig schnüffeln. Neugierig, wie Schafe nun mal so sind, kamen dann auch bald ein paar angetrabt und beäugten uns misstrauisch. Eins von ihnen war so interessiert an uns und vor allem diesem kleinen, wuseligen Stinker zu unseren Füßen, dass es seinen Kopf durch die weiten Zaunmaschen hindurch steckte, um Merlin genauer betrachten und beschnüffeln zu können... Merlin ergriff die Möglichkeit beim Schopfe, wann kriegt man schon mal einen Schafskopf direkt vor die Schnute geliefert!?, und schnappte dem Viech ohne Gnade in die Nase!!! Das Schaf rannte los, wie von der Tarantella gestochen und Merlin hing an seiner Leine - und damit an uns - fest. Ich kann nicht sagen, wer von uns Vieren wohl am verdutztesten aus der Wäsche geguckt hat: Das Schaf ("aua!"), Merlin ("nanu, warum rennt mein Frühstück weg!?"), Rainer ("wie doof kann ein Schaf sein?!") oder ich ("ist meinem Merlin was passiert?!")... Merlin hat bei der Gelegenheit einen halben Fangzahn eingebüßt, der wohl durch den Ruck abbrach, als das Schaf seinen Kopf zurückriss, aber ansonsten sind alle mit einigermaßen heiler Haut davongekommen. Selbst das Schaf hat nur einen Kratzer davongetragen. Merlin's Zahnwurzel entzündete sich glücklicherweise nicht und konnte so drin gelassen werden.

Seitdem allerdings war unser Merlin ein richtiger kleiner Held, zumindest dachte er das! Wenn wir mit ihm Gassi gingen und uns kam ein Hund entgegen, rannte Merlin direkt auf ihn zu und seine Körpersprache sagte eindeutig "Komm doch her, wenn du dich traust!". *lach* Nichtmal der riesige Afghane konnte ihn erschrecken, der in der Steller Heide plötzlich vor uns stand (vor dem sogar ich Angst kriegte).

Einmal umschlich uns eine Katze, die nicht so recht wusste, was sie von Merlin halten sollte, also blieb sie immer so auf ca. 1 m Abstand und kreiselte um ihn herum. Irgendwann siegte dann aber doch ihre Neugier, auf dieses seltsame Tier, das aussah und sich bewegte, wie Beute, aber eindeutig nach Raubtier roch und sie traute sich näher ran. Merlin bemerkte sie da erst und lief schnurstracks auf sie zu! Nein, das verwirrte die Katze nun endgültig, die katzbuckelte und fauchte in der Hoffnung Merlin damit zu erschrecken, aber Merlin machte bloß ebenfalls ein Buckel und fauchte zurück! Das war der Katze zu viel, sie machte Kehrt und flüchtete eilends in den nächsten Vorgarten!

 

 

Susi & Strolch

Anfang 1996 las ich eine Anzeige in der Zeitung "Frettchenpärchen zu verkaufen, mit Käfig und Zubehör, 100,- DM" und ich rief dort an. Alleine so ein Käfig kostete im Laden ja schon um die 100,- DM, deswegen hat mich das irgendwie misstrauisch gemacht. Und wie sich rausstellen sollte, war das Misstrauen auch durchaus berechtigt: der Junge, dem die Fretts bis dahin gehörten, hatte schlicht und ergreifend die Nase voll von den kleinen Rabauken. Nach einem Dreivierteljahr wurden sie ihm langweilig. Mein Freund und ich machten uns auf den Weg, einmal quer durch Bremen und besuchten besagten Jungen. Der öffnete die Tür, sperrte erst mal all seine Pit Bulls und Bullterrier weg (schätzungsweise ein halbes Dutzend Hunde...) und ließ uns dann rein. Pia & Freddy (so hießen die 2 armen Iltisfrettchen) saßen in einem handelsüblichen Kaninchenkäfig, so einem, der auf der Plastikunterschale noch mal ein transparentes Plastikoberteil hat, wo man das Gitter einschiebt, damit die Tiere zwar Luft kriegen, aber keine Einstreu rausschmeißen können. Und genau darin saßen die beiden auch - in 3 cm hohem Kleintiereinstreu... In der Mitte des Käfigs eine runde Haushaltsschüssel als Klo mit Katzenstreu drin, eine Flasche mit leidlich sauberem Wasser und eine Schale Frühlingsquark, in der mehr Streu als Quark war... Das Zubehör bestand aus einem Buch, 2 Geschirren mit Leinen, den Impfpässen (beide Tiere waren mit Katzenimpfstoff geimpft) und dem Käfig mit Inventar.

Allerdings könne ich die Fähe nicht sofort mitnehmen, erklärte mir der Junge, weil sie nämlich trächtig sei und er die Welpen schon an seine Kumpel versprochen hätte..!

In mir schrillten Alarmglocken und ich fragte nach evtl. Verwandtschaft der Tiere, aber der Junge versicherte mir, dass er beide von verschiedenen Züchtern gekauft hat. Wenigstens etwas, wenn es auch die Tatsache, dass DER Typ nun Welpen aufziehen wollte, nicht wirklich besser machte. In meinem Kopf arbeitete es, bis ich mir zurecht gelegt hatte, wie ich diesen Typen ködern konnte...

Ich bot ihm an, dass ich die beiden trotz ihrer Trächtigkeit sofort mitnehme und ihm so eine Menge Arbeit und Geld erspare - und dass er seine Kumpel zu mir schicken kann, wenn die Kleinen da sind! Er überlegte so ca. 2 Sekunden und schlug begeistert ein.

Mein Freund ich packten die 2 Unglückswürmer ein und fuhren mit ihnen Heim. Die unfassbaren Namen wurde geändert in Susi & Strolch, der Karnickelkäfig getauscht gegen ein 5 qm Gehege und der Quark wurde ersetzt gegen artgerechtes Futter. Vom Vorbesitzer hab ich nie wieder etwas gehört. Auch von keinem Kumpel, der Welpen haben wollte... Susi war übrigens nicht trächtig.

 

 

 

Babysitter Blondie

1997 bekam eine liebe Freundin von mir eine Binofähe zu ihrem süßen Iltisrüden dazu. Die kleine weiße Dame war ein Jahr alt und unkastriert. Meine Freundin machte einen Kastrationstermin beim TA, aber bevor es soweit war, wurde Blondie (die besagte Bino-Dame) ranzig... Der TA wollte lieber nicht während der Ranz operieren, also wartete man ab, dass die Ranz wieder zurückging und machte einen neuen Termin. Blondie machte Frauchen und TA erneut einen Strich durch die Rechnung, indem sie wieder ranzig wurde, bevor die auf den OP-Tisch sollte. Das wiederholte sich dann noch einmal und dann hatte meine Freundin die Nase voll.

Sie rief mich an und fragte mich, was ich davon halte, wenn sie Blondie einmal decken ließe, damit sie ihren Rhythmus wiederfindet und danach kastriert. Ich fand die Idee gut und so brachte sie Blondie dann zu mir und wir ließen sie eine Nacht mit meinem Strolchi alleine... *grien* Die beiden hatten ihren Spaß und nach 6 Wochen stand bei Blondie die Geburt ihrer Welpen an.

Das war dann allerdings gar nicht mehr so lustig, denn Blondie brachte nur 4 tote Welpen zur Welt. Die Geburt war schwierig und Blondie danach schwer depressiv. Sie suchte immerzu ihre Welpen, fraß schlecht und spielte gar nicht mehr mit ihrem Kameraden. Nichts schien die Kleine aufheitern zu können...

Irgendwann besuchte meine Freundin mich und brachte Blondie und den Rüden mit zu mir. Eine meiner Fähen hatte derzeit gerade Welpen und zog diese in meiner großen Frettchenfamilie - also unter all meinen Frettchen - auf. Wir setzten Blondie und Ben (den Rüden) in mein Gehege und beobachteten was geschah... Bennie suchte sich jemanden zum toben und Blondie steuerte zielsicher auf den Schlafkasten zu, in dem meine Fähe mit ihren Welpen lag. Meine Freundin und ich waren sehr gespannt was nun wohl passieren würde und saßen, bereit einzugreifen, daneben. Blondie ging vorsichtig in den Kasten hinein und meine Fähe beschnüffelte sie neugierig. Nachdem Blondie offenbar für ungefährlich befunden wurde, verließ meine Fähe den Kasten und überließ ihre Welpen Blondie's Obhut! Für uns sah es so aus, als wenn meine Fähe dachte "Oh prima, der Babysitter ist da! Dann kann ich ja mal raus!", wir haben uns einerseits gewundert und andererseits gefreut.

Blondie kletterte in das Nest, beschnüffelte, beleckte und bekeckerte die Welpen, lief 3 mal im Kreis um sie rum und legte sich dann behutsam, wie eine Mami, zu ihnen in's Bettchen. Sie genoss das Mutter spielen können und betüddelte die Kleinen, als wären es ihre eigenen!

Nach etwa einer halben Stunde wollte die echte Mama dann mal nach ihren Babys schauen, aber sie wurde von Blondie nur mit einem nicht sehr freundlichen Fauchen begrüßt! Zu meinem größten Erstaunen reagierte meine Fähe nur damit, dass sie den Kasten wieder verließ... An dem Punkt krabbelten kleine Sorgen in mein Hirn und ich begann zu fürchten, dass meine Fähe ihre Welpen gar nicht wiederhaben wollen würde.

Aber weit gefehlt! Nach einer weiteren halben Stunde ging meine Fähe wieder zu Blondie und den Kleinen in's Nest und diesmal ließ sie sich von Blondie's Fauchen nicht mehr beeindrucken. Sie fauchte zurück und machte Blondie scheinbar klar, dass sie ihr die Babys nur "geliehen" hatte und dass es immer noch ihre sind! Blondie wurde daraufhin etwas kleinlauter und ließ meine Fähe zu ihr in's Nest. Sie lagen dann noch eine Weile gemeinsam bei den Welpen, bis meine Freundin ihre beiden Monster wieder einsammelte, um heim zu fahren.

Danach waren Blondie's Depressionen Vergangenheit! Diese "Mutter-Kind-Kur" hat ihr tatsächlich geholfen, über ihren Verlust hinweg zu kommen.

Sie wurde dann kastriert und hatte fortan, bis zu ihrem Tode keine gesundheitlichen Probleme mehr.

 

In loving memory of Ben, Blondie & Fozzie

 

Rainer und der tote Iltis

Eines Tages zu Beginn des Frühlings 2000 kam Rainer zu mir. Ich war im Garten bei unseren Monster und er trug eine Plastiktüte bei sich. Sein Grinsen verriet mir, daß er mal wieder irgendwas "unkonventionelles" gemacht oder vor hatte...

Er rief mich aus dem Gehege und legte die Plastiktüte auf den Boden, öffnete sie und holte einen toten Iltis heraus. Tierliebe gut und schön, aber nun auch noch totgefahrene Tiere von der Straße aufsammeln und begraben?! Ich wunderte mich und fragte, was er denn wohl mit dem vernarbten, zeckenbesetzten Vieh wolle. Sein Grinsen wurde immer breiter, zarte Schamesröte bedeckte sein Gesicht, als er mir gestand, er würde den Prachtkerl gerne zum skelettieren in einen Ameisenhaufen legen und die Knochen hinterher mit nach hause nehmen. Rainer kam oft auf so seltsame Ideen...

Nichtsdestotrotz gingen wir in die Steller Heide (ein BW-Übungsgebiet mit viiielen Ameisen) und suchten nach einem geeigneten Ameisenhügel. Da dort aber auch viele Leute mit ihren Hunden spazieren gehen und diese da ohne Leine und Aufsicht rumrennen lassen, konnten wir den Iltis nirgends ablegen, ohne Gefahr zu laufen, daß er von einem tobenden Hund geklaut werden könnte. Also nahmen wir ihn wieder mit. Dann kam Rainer die nächste skurrile Idee - wir könnten mit dem Kanu zu einer der kleinen Ochtuminseln rüberpaddeln und ihn dort hinlegen. Ameisen würde es da wahrscheinlich nicht besonders viele geben, aber der Sommer ist nicht mehr fern und Fliegenmaden arbeiten in der Beziehung ja auch recht gewissenhaft. Hunde, Katzen oder andere streunende Raubtiere kommen nicht auf diese Inseln, aber was ist mit Vögeln?! Krähen, Elstern, Eulen oder Bussarde würden doch so eine Mahlzeit sicher nicht verschmähen... Irgendwie mussten wir den Iltis also vor solchen Knochenräubern schützen. Aber wie?! Diesmal hatte ich die passende Idee dazu! Wir bekamen gerade neue Briefkästen und die alten, die eh auf den Müll sollten, waren aus Metall, hatten nicht nur die Schraubenlöcher, sondern natürlich auch Einwurfschlitz und Tür, so daß zwar Insekten aller Arten rein und raus konnten, aber größere Tiere nicht an unsere Leiche rankamen. Nun gut, geplant und ausgeführt: Iltis in den Briefkasten eingeschlossen, in's Kanu gestiegen und an die Insel gepaddelt, Briefkasten samt Inhalt auf der Insel deponiert und wieder heimgefahren.

 

Drei Monate später erinnerte Rainer sich an unser kleines Geheimnis und wir fuhren einmal rüber zum nachschauen, wie weit der Iltis mittlerweile vom Fleisch befreit war. Ich muss dazu sagen, wir hatten einen ätzenden Sommer, kalt und verregnet und dementsprechend arm an Insekten, speziell Fliegen...

Wenn ich daran denke, halte ich mir heute noch die Nase zu! Mann inne Tünn, das war eklig!

Fliegen hatten sich scheinbar noch gar nicht für unseren "Freund" interessiert, lediglich die natürliche Verwesung hatte ihr Werk getan... Vom Iltis waren nur noch etwas Haut mit Haaren, Knochen und eine undefinierbare Suppe übrig, die wohl mal sein Fleisch und Innereien gewesen war. Nicht zu vergessen der Gestank, der in unsere Nasen stieg und sich dort festklammerte, als wir den Briefkasten öffneten!

Trotzdem packte Rainer den Kasten inklusive Iltissuppe in eine Plastiktüte und nahm den ganzen Pack mit heim zu mir. Bei mir angekommen, legten wir besagten Kasten nochmals für ein paar Monate in den Garten, denn wir hofften, daß die Verwesung auch die Suppe noch verschwinden ließe... Aber auch als der Sommer gänzlich zuende war, waren immer noch Reste im Kasten, allerdings wesentlich weniger und man konnte mit Handschuhen und einem Stöckchen bewaffnet bereits einige Knochen rausfischen. Rainer, der sonst immer "der Held" war, sogar Survival-Trainings besuchte, Spinnen und Würmer aß und auch Tiere selbst schlachten konnte, ekelte sich halb zu Tode und ließ mich diese Fummelarbeit machen. Eigentlich war er am meisten auf den Penisknochen scharf, aber den konnte ich beim besten Willen nicht finden. Wie gesagt, es war immer noch ein Rest Suppe da, auch wenn sie jetzt eher gelee-artig fest war, und zwischen den Knochen klebten sämtliche Haare des stolzen Iltisrüden. Aber einen Oberschenkel konnte ich retten und den Schädel auch.

Ich reinigte beides mit Chlor und Sagrotan, entfernte alle restlichen Haare und hoffte, daß das Chlor im Schädel alles auflöst, was an Hirn noch drin war. Woran ich nicht gedacht hatte war, daß logischerweise einige Zähne ausfallen würden, nun, wo kein Zahnfleisch mehr da war um sie zu halten. Außerdem brach mir der Unterkiefer mittig durch (oder ist der bei Iltissen zweigeteilt?). Aber ich klebte zunächst den Kiefer wieder zusammen und danach die Zähne ein und nun steht das kleine Prachtstück in meinem Wohnzimmer.

 

Und es ist heute doppelt wichtig für mich - erstens ist es natürlich ein Erinnerungsstück an Rainer und seine herrlichen Ideen und zweitens passt es prima zu meinem "ich-sammel-alles-was-mit-Fretts-zu-tun-hat"-Tick!

 

 

 

Da mich der Aufbau dieser HP viel Zeit und teilweise auch große Mühe gekostet hat, möchte ich euch bitten, das Copyright zu achten und mich zu fragen, wenn ihr Bilder oder Texte verwenden wollt, die ihr hier gefunden habt! Keine Angst, ich beiße nicht.