Ammenmärchen um und über Frettchen

Hier möchte ich mal mit ein paar Gerüchten aufräumen, die sich seit Jahren hartnäckig halten, an denen aber wirklich nichts dran ist!

 

1.       Frettchen, die in einem Außengehege leben, bekommen keine Bindung zu ihren Menschen

Das ist absoluter Quatsch, es kommt nur darauf an, wie intensiv man sich um seine Frettchen kümmert! Wenn man sie natürlich vernachlässigt, weil man z.B. keine Lust hat, bei Wind und Wetter stundenlang im Gehege bei den Fretts zu bleiben, werden die kleinen Monster sich von den Menschen entfremden. Das kann aber bei Wohnungshaltung ebensogut passieren, wenn man sich nicht ausreichend kümmert. Wie gesagt, man sollte nur ein bißchen „wetterfest“ sein, dann hat man auch draußen sehr personenbezogene Frettchen. Einigermaßen regendicht und windgeschützt sollte das Gehege ja eh sein, also kann man sich eine alte Wolldecke mit rausnehmen, wenn es kalt ist und sich luftig anziehen, wenn es warm ist.

 

2.     Ein Frettchen allein wird zahmer

Das ist so ziemlich der größte Blödsinn, der je erfunden wurde! Wenn man es genau nimmt, ist sogar das Gegenteil der Fall: Ein Frettchen allein ist unausgelastet und spielt daher mit seinem Menschen gröber, kann sogar aggressiv werden, weil es keine Artgenossen hat. Frettchen sind keine Einzeltiere und allein unglücklich.

 

3.     Die Fütterung von rohem Fleisch macht bissig

Noch so ein Unfug! Zahme Frettchen werden nicht durch die Fütterung bestimmter Futtermittel plötzlich wieder bissig, oder noch zahmer, oder verändern ihr Verhalten dadurch in sonst irgendeiner Weise! Hierzu steht mehr unter "Futter".

 

4.     Frettchen kann / muß man mit Milch und Weißbrot füttern

Dieses Gerücht entstand aus dem vorgenannten, bzw. daraus, daß Jäger ihre Frettchen früher (teilweise sogar noch heute) so ernährten, um ihren Jagdtrieb, ihren Appetit auf Fleisch zu steigern. Milch & Brot bedeutet für diese ausgesprochenen Carnivoren absolute Mangelernährung und kann durchaus tödlich enden!

 

5.     Frettchen stinken

Das liegt natürlich im Auge des Betrachters (bzw. „der Nase des Beriechers“), aber eigentlich muß man sagen, daß der Eigengeruch von Frettchen nicht intensiver ist, als der von anderen Haustieren. Er ist nur anders! Ranzige Tiere riechen stärker, das liegt in der Natur der Sache: Fähen wollen mit ihrem Duft Rüden anlocken, Rüden wollen Fähen beeindrucken und Rivalen warnen. Aber wenn sie kastriert sind, riechen Rüden wie Fähen nur ganz leicht. Ich empfinde einen Mäuse- oder Kaninchenkäfig als wesentlich unangenehmer, als Frettchen. Und das hab ich nun auch schon von vielen „Nicht-Frettchenhaltern“ gehört.

 

6.     Gleichgeschlechtliche Frettchen verstehen sich untereinander nicht

Auch dies ist ein Ammenmärchen, das jeglicher Grundlage entbehrt. Wie sonst hab ich sonst seit über zehn Jahren immer mehr als vier Frettchen in meinem Gehege, ohne daß sie sich gegenseitig an die Gurgel gehen?! Zur Zeit sind es zehn kleine Monster (3 Fähen & 7 Rüden), die sich prima verstehen.

Probleme gibt es nur dann, wenn die Tiere unkastriert und in der Ranz sind und dann praktisch ungefragt einen Rivalen vor die Nase gesetzt bekommen. Dann kann es bei Rüden wie bei Fähen heftige Prügeleien geben. Aber dem kann man mit der Kastration wunderbar vorsorgen.

Außerdem muß man natürlich noch bedenken, daß jedes Frett seine eigene Meinung zu anderen Frettchen hat – einige freunden sich sehr schnell mit anderen an, andere sind sehr skeptisch, wieder andere wollen von fremden Fretts gar nichts wissen. Es liegt also normalerweise nicht am Geschlecht, wenn sich zwei Fretts nicht verstehen, sondern an den Individuen selbst.

 

7.     Fähen müssen einmal werfen

Aus welchem Grund auch immer dies sich so hartnäckig hält, auch das ist nur ein Gerücht ohne echte Grundlage! Einige sagen, es täte ihrer Psyche gut, andere behaupten, sie würde sonst Krebs bekommen oder hormonelle Störungen... Alles Unsinn, wenn man eine Fähe direkt vor ihrer ersten Ranz kastriert, betreibt man die beste Gesundheitsvorsorge für sie, die man treffen kann. Erstens wird so das Risiko für Brustkrebs minimiert, der durch die wiederholten Hormonschwankungen während der Ranz begünstigt werden würde, zweitens schließt man das Risiko von Gebärmutterentzündungen, -vereiterungen und –krebs komplett aus, da die Gebärmutter entfernt wird, drittens und viertens beugt man Dauerranz und ungewollten Trächtigkeiten vor und fünftens beugt man anderen ranzbedingten Folgeerkrankungen, wie Depressionen, Anämien usw. vor.

8.     Schwarze Frettchen sind aggressiv

Das ist Unfug, die Farbe hat nichts mit dem Charakter des Frettchens zu schaffen! Dieses Gerücht ist aus dem "Aberglauben" entstanden, daß schwarze Fretts Kreuzungen zwischen Nerzen und Frettchen sind...  
Das ist genauso ein Quark, wie das Gerücht, daß Albinos angeblich am zahmsten werden. Nochmal: Die Farbe hat nicht das geringste mit dem Verhalten des Frettchens zu tun!

 

 

9.     Frettchen beißen sich gegenseitig nie in's Gesicht

In den zwölf Jahren, die ich nun Frettchen halte, hab ich noch nie bemerkt, daß sie beim Spiel, oder auch wenn sie wirklich böse miteinander sind, irgendeinen Körperteil ungebissen lassen... Obwohl ich das nun schon des öfteren zu hören / lesen bekommen habe, daß es angeblich ein "ungeschriebenes Frettchengesetz" sei, sich nicht gegenseitig in's Gesicht zu beißen und daß es von einer schweren sozialen Störung des Tieres zeugt, wenn es das doch tut. Frettchen kennen keine Etiquette, sie rülpsen und pupsen ungeniert, sie schnüffeln einander am Hintern, selbst wenn sie gerade ihr Geschäft verrichten und wenn sie miteinander toben, schnappen sie sich in sämtliche Körperregionen. Es gibt nur eine "Regel", die alle Frettchen (außer den tauben) beachten, solange sie spielen: Wenn der Spielkamerad quietscht, lassen sie fast sofort los.

 

10.     Trockenfutter reinigt die Zähne

Ist ziemlicher Unfug, denn Trockenfutter wird nur kurz zerbissen und dann runtergeschlungen, nicht zerkaut. Ganze Futtertiere hingegen sind super für die Zähne und den ganzen Verdauungstrakt! Fell, Federn und Knochen reinigen nämlich Zähne und Magen-Darmtrakt.

 

11.     Trockenfutter ist gut gegen Durchfall

Ähnlicher Quatsch, wie Punkt 10, denn in Trockenfutter ist sehr viel ultrahoch-erhitztes Getreide enthalten. Viele denken, daß Trockenfutter, eben weil es trocken ist, die Feuchtigkeit aufsaugen und dadurch den Kot festigen würde. Aber das Gegenteil ist der Fall! Dieses Getreide kann vom Körper nicht verwertet werden und bringt das Verdauungssystem nur zusätzlich durcheinander. Wenn Tiere Durchfall haben, sollte man ihnen als erstes das Trockenfutter wegnehmen!

Besser als Schonkost geeignet ist Hühnerfleisch mit Frischkäse oder spezielle Magenschonkost vom Tierarzt oder aus dem Zooladen.

 

12.     Babybrei ist gut zum päppeln

Guter Witz...! Frettchen brauchen Fleisch und in den meisten Babybreis ist kaum Fleisch enthalten. Obst- und Gemüsebrei enthält nicht das, was ein Frettchen braucht, um groß und stark zu werden... Es gibt zwar Sorten, in denen tatsächlich nur püriertes Fleisch ist, aber das ist eher Magen-/Darmdiät, aber zum aufpäppeln kranker, schwacher Tiere kaum geeignet. Auch zum päppeln gibt es gute, geeignete Futtermittel beim Tierarzt! Ist es Wochenende oder so spät, daß der Tierarzt schon zu hat, kann man auch gut hochwertiges Welpenfutter aus dem Zooladen geben. Außerdem hilft die Vitaminpaste vom Tierarzt auch oft Wunder. Von den meisten Frettchen gerne genommen, enthält sie nicht nur Vitamine, sondern ist eine regelrechte Astronautenkost, die alles enthält, was ein Tier zum direkten Überleben braucht.

 

 

13.     Dauerranz beginnt nach 6 Wochen ranzig sein

An diesem Irrglauben hat der mißverständliche deutsche Name dieser Krankheit Schuld. Die Dauerranz kann je nach Anfälligkeit der Fähe bereits in der ersten Ranzwoche beginnen oder selbst nach einem ganzen Sommer ausbleiben!

Die Dauerranz ist ein Hyperöstrogenismus, d.h. eine Überproduktion von Östrogen, die bestimmte Schäden im Körper verursacht. Z.B. wird das Rückenmark geschädigt, die Bildung roter Blutkörperchen gestört und es kommt zu einer Anämie, oftmals wird die Fähe depressiv, es kann zur Gebärmuttervereiterung kommen usw. Außerdem dauert die Ranz durch die stetige Hormonproduktion immer weiter an, woher die Krankheit ihren Namen hat.

Schlußendlich kann eine unbehandelte Dauerranz tödlich enden, das Problem hierbei ist, daß viele Frettchenhalter sie gar nicht erkennen und nicht oder erst zu spät zum Tierarzt gehen.

 

14.     Frettchen auf dem Grundstück halten Ratten fern

Das kann ich aus eigener Erfahrung nur dementieren!! Ratten sind unglaublich schlaue Tiere, die merken ganz schnell, daß die Frettchen eingesperrt sind und ihnen nichts tun können. Wir haben hier Ratten, die richtig dreist sind, sie laufen nicht nur vor dem Gehege auf und ab, wie auf einem Laufsteg, sondern brechen sogar in's Gehege ein! An sich wär mir das ja nur recht (welches Frettchen kann schon von sich behaupten, daß ihm sein Futter freiwillig in den Napf krabbelt!?), leider fressen die Ratten aber zu diesem Zweck die Holzbalken des Geheges an und machen Löcher hinein, durch die meine Frettchen auch entwischen könnten.

 

15.     Hühnerknochen splittern und verletzen Frettchen

Ach, was'n UNFUG! Mann inne Tünn, Frettchen sind Raubtiere, wirklich und wahrhaftig!! Denkt doch mal drüber nach, was Iltisse so in freier Wildbahn fressen... Na, kommt ihr drauf?! Jaaaa genau -> ausgewachsene Vögel, wie Amseln, Tauben und durchaus auch mal ein Huhn, daß sie einem grantigen Bauern aus dem Stall klauen. Und sterben sie daran, weil sie sich das Maul, die Speiseröhre, den Magen oder Darm perforieren?! Erstaunlicherweise nicht...

Geflügelknochen werden in dem Moment porös und beginnen zu splittern, wenn man sie kocht. Aber wer kocht schon Geflügelknochen?!

Also: Fleisch und ganze Futtertiere (oder Hühnchenflügel u.ä.) immer roh geben!! Dann klappt's auch ohne Splitter!

 

16.     In Supermarktfutter ist nur 4 % Fleisch

Mal wieder so ein Gerücht, das sich hartnäckig hält... In allen Katzenfuttersorten sind zwischen 40 und 70 % Fleisch enthalten. Die 4 Prozent, die so oft in der Inhaltsangabe auftauchen, beziehen sich NUR darauf, wieviel des enthaltenen Fleisches vom Tier stammt, das die Sorte bestimmt!
Z.B. bei Kitekat "mit Huhn" sind ca. 60 % tierische Inhaltsstoffe und von diesen 60 % stammen 4 % vom Huhn. Der Rest dieser 60 % kommt vom Rind, Schwein und was sonst noch gerade geschlachtet wurde. (In einer 400 g Dose Kitekat sind also 240 g "Fleisch" und 160 g anderes [Getreide, Soja, Wasser...] enthalten. Von den 240 g Fleisch sind dann 9,6 g Hühnerfleisch.)

 

17.     Bissige Frettchen sind in Wirklichkeit Hybriden

Manchmal denke ich, daß Menschen es sich verdammt gerne sehr einfach machen... Weil ich mit meinem Frettchen nicht zurecht komme, ist es ein Hybride, dann hab ich eine Ausrede. Diesen Eindruck macht es auf mich häufig, wenn mal wieder irgendwo die These aufgestellt wird, daß ein Frett ein Hybrid sein soll.

Aber von vorne: Ein Hybrid ist ein Mischling aus zwei verschiedenen Tier- oder Pflanzenarten (nicht Rassen!), die sich unter normalen Umständen nicht miteinander verpaaren würden. Man hört z.B. von Pferd-Zebra oder Löwe-Tiger-Mischlingen aus Zoos, in diesem unseren Fall wären es Mischlinge aus Frettchen und Iltis. Hybriden in der Tier- und Pflanzenwelt sind in der Regel steril, können sich also nicht fortpflanzen und ihre Entstehung ist im Grunde ein Versehen der Natur. Bei vielen solchen Verpaarungen kommen gar keine Nachkommen zur Welt, entweder entstehen sie erst gar nicht, sterben während der Tragzeit und werden vom Mutterleib resorbiert oder kommen tot zur Welt.

Hybriden aus Haus- und Wildtieren werden teilweise gezielt gezüchtet, um die Haustiere robuster, stärker & gesünder zu machen. Dafür muß man dann aber in Kauf nehmen, daß die Nachkommen auch wilder und ggfs. auch ängstlicher und / oder aggressiver sind.

Frettchen-Iltishybriden sind gelenkiger, geschickter, kräftiger und pfiffiger, als unsere leicht vertrottelten Schmusebacken, dafür bleibt ihnen aber auch immer ihr Instinkt, der ihnen u.a. sagt, daß Menschen Feinde sind und ihnen Angst vor uns macht. Oftmals gewöhnen sich Hybriden nur an eine Bezugsperson, der sie (oft auch nur teilweise) vertrauen.

In Deutschland fallen Hybriden unter die Kategorie "Wildtiere" und dürfen daher nicht ohne behördliche Genehmigung gehalten werden! Daher ist es auch recht unwahrscheinlich, daß alle unerzogenen Frettchen Hybriden sind, denn wo sollten die alle herkommen?! Sicher gibt es Hybriden und sicher gibt es auch hier einige bekloppte Züchter, die meinen ihre Blutlinie mit Iltisgenen auffrischen zu müssen, aber Fakt ist, daß das aus gutem Grund in D verboten ist.

 

Die meisten angeblichen Hybriden sind einfach nur fehlgeprägte Frettchen, die das Vertrauen zu Menschen noch nicht gelernt haben.

 

18.     Albinos werden häufiger krank

Oft wird beharrlich behauptet, daß Albinofrettchen krankheitsanfälliger sind, von Geburt an taub und / oder blind oder in der Sonne sofort einen Sonnenbrand bekämen. Außerdem sind sie angeblich absolut nicht zur Zucht geeignet, weil Albinismus an sich ja schon ein Gendefekt ist, der nicht weitervererbt werden dürfe... Wenn ihr mich fragt, und das tut ihr, indem ihr meine HP lest , ist das Quatsch mit Sauce!!

Ja, Albinismus ist eine Mutation, ein Gendefekt, der in freier Wildbahn bei fast allen betroffenen Tieren dazu führt, daß sie nicht lange überleben. Raubtiere können sich nicht an ihre Beute anschleichen und potentielle Beutetiere können sich nicht vor Räubern verstecken. In menschlicher Obhut allerdings, gibt es dieses Problem nicht. Raubtiere müssen sich nirgends anschleichen und die Tiere, die draußen gejagt würden, müssen keine Feinde fürchten.

Albinos sind genauso gesund oder krank, wie alle anderen Frettchen, ihre Augen sind ebenso lichtempfindlich, wie Augen mit pigmentierter Iris, ihre Haut ist durch ihr Fell geschützt und Albinismus ist nicht mit anderen Gendefekten (wie Kryptorchismus, Taubheit o.ä.) gekoppelt!

Und mal ehrlich, diese kleinen plüschigen Schneebälle mit ihren Johannisbeer-Augen sind doch einfach zu süß, oder?!

 

 

 

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